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„See, there is Cesare. If you let him prophesy for you, you will die!“

26.05.2010 11:27

W ie könnte ich meine filmisch-blog´sche Existenz anders beginnen als mit einer Rezension über einen der ersten Filme, die je über die Leinwand flackerten. Und „flackern“ muss hier wörtlich genommen werden, denn Anfang des letzten Jahrtausends liefen die Bilder weder flüssig, noch gab es Ton. Der Film, über den ich schreibe, heißt „Das Cabinet des Dr. Caligari“.

E r wurde 1920 uraufgeführt und handelt von einem Dr. Caligari, der als Schausteller auf dem Jahrmarkt seine Forschung präsentiert: Cesare. Als des Doktors menschliches Medium sagt er den Jahrmarktbesuchern die Zukunft voraus. Den faden Beigeschmack der Weissagungen bekommt Francis Freund zu spüren, als dieser die Nacht darauf tot aufgefunden wird. Francis werden nach und nach die Zusammenhänge zwischen dem Auftauchen des Caligari und den sich in der Stadt häufenden Morden deutlich. Auch wenn ab diesem Zeitpunkt alles nachvollziehbar erscheint, hält der Regisseur Robert Wiene noch eine bedeutende Wende bereit. Auch Francis’ Freundin Jane wird von Cesare bedroht und entführt. Die Jagd nach dem Entführer bringt die Figuren wieder in die Rahmenhandlung zurück – in die Irrenanstalt, deren Leiter der Doktor persönlich ist und Francis einer der Insassen. Hier klärt sich dann auch alles auf, denn die Geschichte des Cesare und dessen Meister ist ein Hirngespinst von Francis selbst.

D ieser Film, der mehrfach filmgeschichtlich bedeutend ist, zeigt, wie sich die Strömung des Expressionismus auch auf die bewegten Bilder ausgewirkte. Verzerrte Kulissen, furchterregende Nahaufnahmen und eine Handlung basierend auf den Vorstellungen eines Irren, spiegeln die Vorstellung von Kunst und deren Reaktion auf den Ersten Weltkrieg sowie die Zeit der Weimarer Republik wider. So legt Wienes Stummfilm den Grundstein für spätere, vor allem auch in Hollywood produzierte Horrorfilme. Zu guter Letzt ist „Dr. Caligari“ auch angesichts seines Handlungsortes von Bedeutung, da die ersten Filme in den 20er Jahren vorwiegend auf Jahrmärkten gezeigt wurden und als Attraktion galten. Man denke dabei nur an die Laterna magica und den ersten Kinematographen.

Z usammenfassend ist zu sagen: Wer es schafft, 71 Minuten einen/diesen dialogarmen Schwarzweiß-Film zu sehen, wird mit der Erkenntnis belohnt, dass auch vor 100 Jahren gute Filme gedreht wurden. Ebenso wird einem bewusst, wie sich Sehgewohnheiten und Filmgenre verändern und dennoch spannend bleiben können. Wer nun in Bezug auf das expressionistische Kino Blut geleckt hat, dem seien noch zwei weitere Filme ans Herz gelegt. Zum einen Murnaus „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (1922), in dem erstmals die Thematik der Vampire behandelt wird und „Der Golem, wie er in die Welt kam“ (1920) von Paul Wegener und Carl Boese, dessen Protagonist eingefleischten Simpsonsfans (Staffel 18, Folge 4) bekannt vorkommen sollte. Und natürlich darf in dieser Reihe auch Fritz Langs „Metropolis“(1926) nicht fehlen, dazu aber später mehr.

Die gekürzte Fassung des Spielfilms kann hier angesehen werden:

Anke Schuster

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