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„Du sollst nicht lieben“

31.05.2010 08:39

O hne Punkt oder Ausrufezeichen, einfach nur eine Aussage? „Du sollst nicht lieben“ wirkt wie ein weiteres der zehn Gebote oder eine Negation des Doppelgebots der Liebe. Wie auch immer – auf jeden Fall scheint sich bereits im Titel Tabakmans Films alles um die Liebe und ihre Auslegung, beziehungsweise ihre richtige Ausführung, zu drehen. Und genau um diese Thematik rankt sich die Geschichte der beiden Juden – die Geschichte des jungen Studenten Ezri und des Fleischereibesitzers Aaron.

W eil es in Strömen regnet, sucht Ezri im Geschäft Aarons Unterschlupf. So kommen beide ins Gespräch. Ezri ist in Jerusalem, um einen Freund zu besuchen, der jedoch nicht auf seine Anrufe reagiert, sodass er keine Bleibe hat. Aaron bietet ihm das Hinterzimmer der Fleischerei und eine Anstellung in seinem Laden an, bis er etwas Besseres findet. So entwickelt sich langsam eine freundschaftliche Beziehung zwischen beiden. Ezri lernt Aarons Frau und Kinder kennen und besucht mit ihm die streng gläubige Gemeinde in Jerusalem, dessen führende Personen Aaron bald auf Ezris Vergangenheit aufmerksam machen und ihm nahelegen, sich von ihm beruflich zu trennen, denn „er bringt Unglück für rechtschaffene Männer“.

I n einer anderen Szene wird deutlich, welchen Einfluss die Gemeinde der ultra-orthodoxen Juden hat. Aaron gibt einem jungen, unverheirateten Mann lautstark zu verstehen, dass er seine Freundin nicht wiedersehen darf: „Du kannst nicht einfach machen, was du willst. Das muss dir doch klar sein.“. Jedoch scheint es, als wären diese Sätze nicht nur an den „armen Liebenden“ gerichtet, sondern auch oder vor allem an Aaron selbst. Legt er nicht wenige Sequenzen später die Versuchung Ezri zu küssen als göttliche Probe aus. Es kommt, wie es kommen muss. Aus dem in sich gekehrten Aaron wird ein lebendiger Aaron. Aus dem ruhigen Film wird ein leidenschaftlicher. Aus Lethargie wird Lächeln und ein Endlich-leben-lassen. Doch, wie bereits erwähnt, sprechen viele Faktoren gegen diese Beziehung und die Situation spitzt sich immer weiter zu: ein Anschlag auf die Fleischerei, das Meiden in der Gemeinde, das stille Dulden und Abwarten Aarons Frau.

T abakmans Film lässt Spielraum für Interpretationen, gibt aber auch stets Interpretationen vor, indem er Aaron die Schrift immer wieder anders auslegen lässt, bis er sich der Leidenschaft zu Ezri nicht mehr entziehen kann. Dieser Wandel zeigt sich nicht nur in der Handlung, sondern auch in der Stimmungsschwankung und der Häufigkeit von Dialogen. Sowieso kommt dieser Film mit sehr wenigen Gesprächen aus und ist dafür umso mehr mit Schuss-Gegenschuss-Einstellungen versehen, um auch das Innere der Personen so deutlich wie möglich zu machen.

E ine Filmkritik vergleicht „Du sollst nicht lieben“ mit „Brokeback Mountain“. Meines Erachtens ist das nicht unbedingt angebracht, da beide Filme in unterschiedlichen Sphären spielen. Wird dieser Vergleich angestellt, gelangen die sozialen und vor allem schweren religiösen Hintergründe ins Abseits und die Entwicklung Aarons wird nicht mehr nachvollziehbar, wenn er dem Sittenwächter, der ihn auffordert Ezri wegzuschicken, entgegnet: „Ich bin lebendig. Ich brauche ihn einfach.“

Zum Trailer:

Anke Schuster

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Kommentare

  1. Zum Vergleich mit Brokeback Mountain: Ganz von der Hand zu weisen ist die strukturelle Ähnlichkeit zweier homosexueller Romanzen in einem durch und durch zwangsheterosexuellen Milieu (hier die Cowboys, dort die jüdischen Patriarchen) nun auch wieder nicht. Dazu sind ja Vergleiche da: Um auf unterschiedlichen Ebenen Gemeinsamkeiten benennen. Und schließlich, wenn du die religiöse Sphäre nicht vernachlässigt sehen willst, handelt es sich beim Cowboytum auch um den Glauben vom richtigen, angebrachten Leben und Denken. Glauben beschränkt sich nicht auf religiösen Glauben…
    Gibt es denn wenigstens ein ähnlich tragisches Ende wie bei Brokeback Mountain oder erwartet den Zuschauer ein Happy End?

    Vergleichvergleicher · 04.06.2010 22:19 · #

 

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