Denker unserer Zeit
Coverversionen der Magnetic Fields
„Sie beunruhigen die Menschen, sie machen sie asozial!“
09.06.2010 16:10
K einer denkt bei dieser Äußerung zuerst an Bücher. Niemand hält das geschriebene Wort für so gefährlich, dass es generell verboten werden muss. Doch mit einigen hieb- und stichfesten Argumenten kann auch diese Überzeugung in den Köpfen der Menschen verankert werden, wie François Truffauts Film „Fahrenheit 451“ eindrücklich zeigt.
D er 1966 erstmals ausgestrahlte Science-Fiction-Film erzählt von dem Feuerwehrmann Montag, der seinem Beruf gewissenhaft und voller Überzeugung nachgeht. Erwähnenswert ist hier, dass sich der Einsatz der Feuerwehr schon lange nicht mehr auf das Löschen von Bränden bezieht. Dies ist unnötig geworden, da die Häuser aus feuerfestem Material gebaut wurden. Vielmehr rufen Bürger die Feuerwehr, wenn sie den Verdacht haben, ihr Nachbar, Kollege oder Freund könnte Bücher und Zeitungen in seinem Haus verstecken. Als Clarisse, eine angehende Leherin, Montag in der Bahn anspricht und ihn fragt, warum die Bücher verbrannt werden müssen, antwortet er mit dem oben beschriebenen Zitat und schwärmt von der Vielfältigkeit seines Berufs: „Wir verbrennen Montag Moliere, Dienstag Dostojewski, Mittwoch Thomas Mann, Freitag Faulkner, Samstag und Sonntag Schopenhauer und Sartre.“
D och diese Überzeugung bröckelt, als Montag anfängt, die Bücher, die er verbrennt, zu lesen. Auf einmal erscheinen die stereotypen Häuser, die Fernsehsendungen, die den Zuschauern durch Begrüßungen wie „liebe Vettern und Cousinen“ eine große, heile Familie vorgaukeln, und der strenge Gehorsam in der Truppe sinnentleert. Als er den Freundinnen seiner Frau Linda versucht aus einem Buch vorzulesen, fängt eine der Damen an zu weinen und ihm werden schwere Vorwürfe gemacht: „Das Leben ist kein Roman. Romane sind Selbstmord, Weinkrämpfe, Elend und Krankheit!“.
A lso wendet sich das Blatt. Montag hat einen Plan. Er will allen Feuerwehrmännern ein Buch unterschieben und so das System von unten her zerstören. Dieser Plan scheitert. Noch bevor er seine Kündigung einreichen kann, denunziert ihn seine Frau, die ihn wenig später verlässt, weil sie seine Leidenschaft für Bücher nicht tragen kann. Montags letzte Handlung als Feuerwehrmann ist das Verbrennen seiner eigenen Bücher. Dabei tötet er den Hauptmann, der ihn mit einer Waffe bedrohend auffordert, die Bücher im Haus zurück zu lassen. Von nun an ist Montag auf der Flucht. Sein Weg führt ihn in den Wald zu den Buchmenschen, von denen Clarisse erzählte. Menschen, die lebendige Bücher werden, indem sie ihre Inhalte auswendig lernen und damit für die Nachwelt erhalten. Und auch Montag wird zu einem Buch und trifft dort Clarisse wieder, die ebenfalls vor der Feuerwehr fliehen musste.
F ahrenheit 451 zeigt auf spannende Weise eine bücherlose Gesellschaft. Die futuristischen Elemente, wie etwa die Schwebebahn oder die Feuerwehrautos werden mit dem Look der 70er Jahre vermischt, der in Häusern und Möbeln ersichtlich wird. Truffaut spielt vor allem mit Farben und schnellen Zooms, um die Geschichte aus dem Horizont der 60er zu heben. Auch die schauspielerische Leistung von Oskar Werner und Julie Christie, die sowohl Linda als auch Clarisse spielt, muss hier hervorgehoben werden. Alles in allem ein gelungener Film, der auf den zugrunde liegenden Roman von Ray Bradbury neugierig macht. Und das ist in Anbetracht des Themas gut so, denn wer liest, verhindert, dass Buchpapier sich bei 451 Grad Fahrenheit selbst entzündet und verbrennt.
Zum Trailer:
Film,
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