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„Vergissmichnicht“ (L’âge de raison)

06.11.2010 12:55

C oco Chanel. Marie Curie. Mutter Teresa. Alle drei: Große bedeutende Frauen. – Mit Namen wie diesen macht sich Margaret, die nicht mehr Marguerite genannt werden möchte, Mut bevor sie zu Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen geht. Immer mit dem Ziel weiter nach oben zu kommen, ihre ebenso strebsame Chefin abzuhängen und die Deals mit 4 % statt mit 3,5 % nach Hause zu bringen. Ihre Beziehung zu Malcom, welcher in ihrer Abteilung arbeitet, hält sie geheim, um nichts an Professionalität zu verlieren.

D och das perfekte Bild bröckelt, als die 40-jährigen zu ihrem Geburtstag ein dickes Päckchen bekommt – vollgepackt mit Briefen und Spielen. Der Absender ist ein siebenjähriges Mädchen. Nach anfänglichem Widerstand (die Briefe landen erst einmal im Müll), nähert sich Margaret dem kleinen Mädchen buchstäblich an. „Was bist du geworden? Welchen Beruf hast du ergriffen?“, fragt die Kleine und trifft damit genau ins Schwarze. Margaret verheimlicht die Briefe Malcom, verlässt eine Sitzung, um die Briefe zu lesen und geht auf die Suche nach dem eigentlichen Ursprung dieser verflixten Nachrichten. Dabei trifft sie einen alten Rechtsanwalt, stolpert, fällt ins Wasser, lernt ihre Sandkastenliebe als Mann kennen und erinnert sich an ihre Familie.

„Vergissmichnicht“ erzählt von einer Frau, die ihre kindliche Seite wieder entdeckt. Sie lacht, sie träumt, sie tanzt und hört auf ihre innere Stimme, statt wie üblich zu funktionieren. Durch die Briefe wachgerüttelt, ändert sich vieles, aber glücklicherweise nicht alles. Der Zuschauer sieht genau das, was zu erwarten ist, wenn sich das kindliche Ich zu Wort meldet. Leider. Schön, dass wenigstens die Beziehung zu Malcom bestehen bleibt und Margaret sich nicht in ihren Träumen um ihre Sandkastenliebe verliert. Es wäre so erfrischend gewesen, zu sehen, wie kindliches Gemüt und geschäftliches Unternehmen zusammenpassen. Aber offensichtlich ist dies nicht möglich. Alles, was sich Margaret als Siebenjährige ausgedacht hat, geht auf.

D afür sind die Rück- und Einblenden grandios gelungen. Spielerisch kreativ werden die Briefe in ihrer Aufmachung in die Erzählung von früher eingeflochten. Dabei wird deutlich, warum Margaret so ist wie sie ist und warum sie sich am Ende auch nicht dafür schämen muss. Mit künstlerischem Aufwand gibt der französische Regisseur Yann Samuell die Welt der kleinen Marguerite wieder. Man sieht sehr gern zu, wie sie als Kind spielt, sich ihre Gedanken macht, mit ihrem Bruder und ihrem besten Freund Philibert Löcher gräbt, um dort Brot reinzuwerfen, damit die armen Kinder auf der anderen Seite der Welt auch etwas zu essen bekommen. Auf diesen Traum wird am Ende sehr schön zurückgegriffen. Auch die Musik der 20jährigen Lisa Mittchell unterstreicht die träumerische Haltung der Komödie. „Neopolitan Dreams“ sollte vielen spätestens nach der Vodafonewerbung mit der Miniaturansicht einer Stadt bekannt vorkommen.

E in wenig schade ist, dass der Titel „Das Alter der Vernunft“ nicht übernommen wurde, denn „Vergissmichnicht“ erinnert doch sehr stark an „Vergiss mein nicht!“ – eine romantischen Komödie mit Kate Winslet und Jim Carrey. Außerdem hätte die Bezeichnung der Entwicklungsphase von Kindern zwischen 6 und 10 Jahren den Focus vielmehr auf die kleine Marguerite gelenkt. Nichtsdestotrotz: Schöner, herzlicher Film für graue Winterabende im Kino. – Bundesstart: 23. Dezember

Trailer:

Anke Schuster

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