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Howl – Das Geheul

17.11.2010 11:52

W ir schreiben das Jahr 1957. In San Francisco veröffentlicht ein Student namens Allen Ginsberg das Gedicht „Howl“. Getrieben von seinen Erfahrungen, seinen familiären Umständen, seinen Gefühlen zu Männern und seiner Sicht auf die Gesellschaft, schreibt er all seine Eindrücke in diesem Werk nieder. Doch dies bleibt nicht ohne Folgen. Die geistige Elite bäumt sich auf. Professoren angesehener Universitäten und Lehrer wollen „Das Geheul“ verbieten. Dieses Ziel soll durch einen Gerichtsprozess erreicht werden. Angeklagt ist der Verleger. Die Anklage lautet: „Verbreitung obszönen Schrifttums“. Um die Aufregung zu verstehen, muss erst einmal in das Gedicht reingeschaut werden. Hier ein Auszug:

„Ich sah die besten Köpfe meiner Generation vom Wahnsinn zerstört, verhungernd hysterisch nackt, wie sie sich durch die Negerstraßen schleppten im Morgengrauen, auf der Suche nach einer letzten Spritze (…)“ – Dies ist der Anfang von „Howl“. Anschaulich zeigt es bereits wie anstößig diese Zeilen Ende der 50er Jahre gewirkt haben müssen. Und es verdeutlicht, dass sich zu dieser Zeit etwas ändert: Das Ende der Gerichtsverhandlung war zugleich der Beginn der Beat-Generation und der amerikanischen Gegenkultur. – “ Moloch, dessen Bewusstsein eine reine Maschine ist! Moloch, in dessen Adern Geld fließt!“ Eine ganze Generation fühlt sich missverstanden und wird 10 Jahre später auch in Deutschland vieles ändern.

„Howl – Das Geheul“ ist ein dokumentarischer Spielfilm, der sowohl den Gerichtsprozess, ein Interview mit dem Autor und das Gedicht selbst darstellt. Und das schafft er auf hervorragender Weise. Die Filmemacher Robert Epstein und Jeffrey Friedman haben die drei Stränge geschickt miteinander kombiniert. Stets wird verlinkt: Von Gedicht zu Interview zu Gerichtsverhandlung und von da wieder zurück zum Gedicht, um den Inhalt darzustellen. Sie arbeiten mit Farben und Darstellungsformen. Während der vortragende Ginsberg in einem Studentenkeller in schwarz-weiß gezeigt wird, verdeutlichen die Aufnahmen zu Ginsbergs Interview die 50er Jahre. Faszinierend sind die Animationen, welche die Zeilen von „Howl“ zum Leben erwecken. Sie basieren auf Illustrationen des Ginsberg-Mitarbeiters Eric Drooker. Es ist kaum zu glauben, dass ein Gedicht wirklich filmisch dargestellt werden kann, aber dieser Film schafft es.

A uch schauspielerisch braucht sich “Howl” nicht zu verstecken. James Franco überzeugt als Allen Ginsberg. Die Gerichtsverhandlung wird anschaulich, grandios nachgestellt. Es scheint wie eine Stunde aus dem Literaturunterricht, in der gefragt wird: „Was wollte uns der Autor eigentlich sagen?“ Und vor allem: „WIE hat uns der Autor das gesagt?“ Dieser Zwiespalt bleibt 90 Minuten über bestehen und wird im Urteil aufgehoben.

G ebe es in dieser Rubrik eine Bewertung, würden Epstein und Friedman 10 von 10 Punkten bekommen. Diese Dokumentation beeindruckt auf ganzer Linie. Sie ist spannend erzählt, unterhaltend, inspirierend und macht Lust aufs Lesen.

Kinostart: 6. Januar 2011

Trailer:

Anke Schuster

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