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Vergessene Stile XXIV

25.11.2010 18:54

Mondgesicht nicht

Punkt
Punkt
Komma
Strich
Mondgesicht
nicht

Es kam eine Zeit da war es allen verstattet zu schreiben und gelesen zu werden ohne die harte Knute der Orthographie im Nacken zu spüren Und da die innere Stimme keine Satzzeichen kennt und die heilige Ordnungskuh Duden schon seit Jahrzehnten nur noch nach und nicht mehr vorschrieb so verwahrlosten und verflachten die Ausdrucksmöglichkeiten zu einer Karikatur dessen was sich einst ev jemand bei der Institutionalisierung des Systems Sprache gedacht haben könnte Natürlich verstanden sich trotzdem alle und jeder kannte im alltäglichen Palaverritus seinen Text und verpasste nur selten seinen Einsatz doch es war viel schlimmer Die Interpunktionen waren verschwunden sie waren geflüchtet weil sie sich nutzlos vorkamen und sie den steten monotonen Fluss der Rede ohne Grenze und Struktur nicht mehr aushalten konnten Wohin wusste keiner und es fragte auch niemand nach ihrem Verbleib weil alle mit reden beschäftigt waren Ein paar Unkenrufe meinten sie wären unter die Erde gekrochen andere glaubten sie wären vor Scham geplatzt keiner wusste etwas genaues nur eins sie waren weg Eine vage Spur des Sprachreichtums ja geradezu des Lebens das Interpunktionen der Kommunikation einzuhauchen vermögen geben vereinzelte Gedichte die ironischerweise zwar Interpunktionen thematisieren aber auf deren Benutzung verzichten Ist die bedrückende und fast nicht nur lingual apokalyptische Stimmung Zeugnis der verloren gegangenen Poesie die von den Interpnktionen höchstselbst dem verwaisten Menschengeschlecht als Mahnmal entgegenhalten wird oder beschwört hier ein letzter syntaktischer Mohikaner ein längst vergangenes Saeculum Bedrückt bleibt dem staunenden Leser nur das bange Eingeständnis keine Antwort auf diese entscheidende Frage in seiner Westentasche zu haben Wehe

Sebastian Schreck

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