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Vergessene Stile XXV

06.01.2011 12:42

Kampfgruppendichterkollektiv Lyrik-Gebot!: Programmheft Nr. 239

Not, Elend und Unterdrückung,
Gewalt und Zwang miteinander,
Angst, Einsamkeit und Zweifel,
seelische Leere und
der stete Verfall des Leibes.

Dem entgegen:
Ein sanft schwelender Gesang
voller Schönheit im Klang
und Reichtum an feinen
Nuancen im flirrend reinen
Reich der Renaissancen.

Daher:
Poesie auf den Straßen,
Häusern und Plätzen,
im Alltag, am Abend und immer.
Im Palast und in der Gosse,
im Sternenhügel der Gezeiten
wird Poesie uns begleiten.

Guerillataktik der Poesie wird die revolutionäre Taktik des inzwischen schon kampferfahrenen und strategisch wissbegierigen Untergrundrebellen Ingwer Schürze genannt. Ein Kompliment in den Ohren des Ché Guevara der modernen Lyrikgeneration, dessen gesamtes Ansinnen auf den Umsturz von nichts geringerem als dem prosaischen Weltganzen als solchem gerichtet ist. Revolutionär und attraktiv ist sein Vorgehen, so dass es nicht verwundert, dass H&M bereits eine Modekollektion mit seinem Konterfei und in schwarz (das Bildnis einer Ingwer-Wurzel auf einer Schürze… wie ikonographisch!) in sein Sortiment aufgenommen hat. Aber was ist so radikal und radikal neu und anders an seinem Schaffen? Die Waffe, mit der er und seine Bande ihren Terror ausüben, ist die aus dem Panzerrohr gefischte Blume der Poesie. Unter dem Kampfwort “Lyrik-Gebot!” wirken sie mit illegalen Einbrüchen, bei denen sie atemberaubende Gedichte hinterlassen, dass den Opfern der Hals stranguliert wird vor emotionaler und seelischer Wucht. Sie wirken bei öffentlichen Anlässen, wo sie inzwischen so geschickt sind, dass sie, ohne dass jemand Lunte riecht, die Würde von Massen in Brand setzen könnten und ihnen heimlich Gedichte in Ausschnitt und Schritt stecken. Und wenn die armen Opfer des Terrors die Gedichte erst lesen! Gnade ihnen Gott, ihr Leben könnte dahinsiechen und sie müssten lyrisch wiederauferstehen. Wer einmal die Würde und Gnade eines jener Gedichtes geschaut hat, dem lässt das Licht nicht mehr los. Zu diesem Zwecke hat sich die Bande edelmütiger Gesetzesbrecher und schwerbeherzter Halunken alle Poeten und Schöngeister im Umkreis entführt. (Günter Grass und Wolf Biermann bleiben selbstverständlich zu Hause.) Von diesen werden Gedichte geschrieben wie das vorliegende, dessen dialektische Stiltreppe den Leser vor Wohltat gepeinigt erschaudern und ihn innerlich erfrieren macht, dass sein Herz förmlich aufhört zu schlagen. Im Sinne der Allgemeinheit daher die Warnung: Lesen Sie das Gedicht nicht zu häufig, sie könnten Opfer des Lyrikterrors und dadurch von Grund auf gewandelt werden! (Gerüchten zufolge soll auch der Durchtriebene Superanarchist mit den Revolutionären der Poesie paktieren…)

Sebastian Schreck

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